Was die BWA ist und woher sie kommt
Die betriebswirtschaftliche Auswertung entsteht aus der laufenden Finanzbuchhaltung. Sind die Belege eines Monats gebucht, lässt sich die BWA per Knopfdruck erzeugen, in den meisten Kanzleien über die Standardauswertungen von DATEV. Sie ordnet die Buchungen in ein festes Schema aus Erlösen und Kostenarten und zeigt, was nach Abzug der Kosten als vorläufiges Ergebnis übrig bleibt.
Anders als der Jahresabschluss ist die BWA unterjährig und vorläufig. Ihr Zweck ist die zeitnahe Information: Sie soll zeigen, wie sich die Praxis entwickelt, solange noch gegengesteuert werden kann. Je sauberer und zeitnäher gebucht wird, desto aussagekräftiger ist die Auswertung.
Die wichtigsten Zeilen für eine Praxis
Entscheidend sind Gesamtleistung, Materialaufwand, Personalkosten, Raum- und Gerätekosten sowie das vorläufige Ergebnis.
Die Gesamtleistung bündelt die Erlöse der Praxis, in Heilberufen typischerweise aus KV- und KZV-Abrechnung, Privatliquidation und Selbstzahlerleistungen. Der Materialaufwand umfasst Verbrauchsmaterial und, je nach Fachrichtung, Labor- oder Sprechstundenbedarf. Die Personalkosten für medizinische Fachangestellte und weitere Mitarbeiter sind in den meisten Praxen der größte Kostenblock. Dazu kommen Raumkosten, Gerätekosten und sonstige betriebliche Kosten. Am Ende steht das vorläufige Ergebnis als Saldo aus Erlösen und Kosten. Diese Größen im Zeitverlauf zu betrachten, sagt mehr aus als ein einzelner Monat.
Monatswert und kumulierter Wert
Die BWA zeigt jede Position als Monatswert und als kumulierten Wert für das laufende Jahr, der Vergleich beider deckt Ausreißer auf.
Der Monatswert ist anfällig für Schwankungen: Urlaubszeiten, Quartalsabrechnungen oder eine einzelne große Anschaffung verzerren das Bild. Der kumulierte Wert glättet diese Effekte und zeigt den Trend über das Jahr. Sinnvoll ist außerdem der Vergleich mit dem Vorjahr, sofern die Auswertung ihn ausweist. So erkennen Sie, ob eine Veränderung saisonal bedingt ist oder eine echte Entwicklung darstellt, etwa dauerhaft steigende Personalkosten oder rückläufige Privatumsätze.
Warum das BWA-Ergebnis nicht der Gewinn ist
Das BWA-Ergebnis ist vorläufig. Abschreibungen, Rückstellungen, private Anteile und periodengerechte Abgrenzungen sind unterjährig oft noch nicht vollständig erfasst.
Viele Praxen ermitteln ihren Gewinn über die Einnahmenüberschussrechnung. Erst dort und im Jahresabschluss werden alle Korrekturen vollständig berücksichtigt: die planmäßige Abschreibung der Geräte, gebildete Rückstellungen, die Trennung privater und betrieblicher Anteile sowie die zeitliche Zuordnung von Aufwand und Ertrag. Das vorläufige BWA-Ergebnis ist deshalb ein Steuerungsinstrument, keine Grundlage für die Steuererklärung. Den endgültigen steuerlichen Gewinn liefert die Gewinnermittlung am Jahresende.
Typische Stolpersteine beim Lesen der BWA
Die häufigsten Fehldeutungen entstehen, wenn ein einzelner Monat isoliert betrachtet oder das vorläufige Ergebnis als endgültiger Gewinn verstanden wird.
In Heilberufen kommt die zeitliche Verschiebung der Erlöse hinzu: Die KV- und KZV-Abrechnung fließt quartalsweise und teils mit Verzug, sodass einzelne Monate erlösarm wirken, obwohl die Leistung längst erbracht wurde. Wer das nicht berücksichtigt, liest ein verzerrtes Bild. Ebenso führen größere Anschaffungen zu Ausschlägen, deren Aufwand steuerlich erst über die Abschreibung verteilt wird, in der laufenden BWA aber je nach Einstellung anders erscheinen kann. Auch private Anteile, etwa beim Pkw, sind unterjährig oft noch nicht sauber abgegrenzt. Hilfreich ist deshalb der Blick auf die Summen- und Saldenliste hinter der BWA, weil sie zeigt, welche Konten ein auffälliges Ergebnis verursachen. So wird aus einer Zahl eine Ursache, über die sich sprechen lässt.
Die BWA aktiv zur Steuerung nutzen
Ihren vollen Nutzen entfaltet die BWA, wenn sie monatlich gelesen und besprochen wird. Auffällige Abweichungen lassen sich dann früh klären, und für Gespräche mit der Bank liegt ein aktueller Nachweis der Ertragslage vor. Wir bereiten die BWA so auf, dass die für Ihre Fachrichtung relevanten Kennzahlen sichtbar sind, und ordnen die Entwicklung mit Ihnen ein. Wie wir die laufende Buchhaltung und Auswertung für Praxen führen, lesen Sie unter Finanzbuchhaltung.